Einfach mal machen

Wirkung messen

Wie man Wirkung messen kann und warum man das tun sollte (nur anders als gedacht).

Das Wichtigste vorweg: Gesellschaftliche oder soziale Wirkung lässt sich nicht einfach so messen.

Der Wunsch, Engagement und Einsatz an ein Raster anzulegen, das die jeweilige Wirkung misst und vergleicht, ist nachvollziehbar, aber unsinnig. Denn die Rechnung – Sozialprojekt A erreicht eine Wirkung von 1,8 und Sozialprojekt B eine von 3, also ist Projekt A das wirksamere und bessere der beiden – geht leider nicht auf. Der Terminus „Wirkungsmessung“ suggeriert, dass sich Wirkungen exakt messen lassen. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Wirkungen sind in der Realität komplex und keineswegs berechenbar, schon gar nicht aufs Komma.

Zumal es sich verbietet, das Herzblut, mit dem sich Menschen engagieren, in nüchternen Betriebskennzahlen ausdrücken zu wollen.

Wirkungsanalyse und Wirkungspotenzial

Sehr wohl jedoch lässt sich das Wirkungspotenzial eines Projekts feststellen. Also wie leistungsfähig ein soziales Projekt arbeitet und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass dieses Projekt tatsächlich eine Wirkung erzielt.

Das Wirkungspotenzial lässt sich durch eine Wirkungsanalyse feststellen.

Eine solche Wirkungsanalyse ist ein sehr sinnvolles Instrument, denn sie hilft …

  • Orientierung zu gewinnen: Sind bspw. die Projektziele so formuliert, dass jeder weiß, was er zu tun hat, lässt sich das Projekt auch leichter auf Kurs halten bzw. ungeplante Kursabweichungen fallen schneller auf.
  • den Grad der späteren Zielerreichung zu planen: Je konkreter beschrieben wird, was genau bei welcher Zielgruppe erreicht werden soll, desto einfacher sind Monitoring und Evaluation.
  • Mitarbeitende zu motivieren: Wer sich mit den Projektzielen identifiziert, weil er sie mitentwickelt hat, bleibt auch bei Laune, wenn das Vorhaben mal eine Durstrecke durchläuft.
  • die Qualität der Arbeit zu verbessern: Im Zuge einer Wirkungsanalyse fallen Fehler und Probleme schneller auf und können so zeitnaher und konsequenter behoben werden.
  • Fördergelder zu akquirieren: Präzise formulierte und begeisternde Projektziele sowie eine Projektplanung, die den Zufall auf ein Mindestmaß reduziert, können die Ansprache potenzieller Förder*innen erleichtern.

Eine Wirkungsanalyse hinterfragt dabei neben den avisierten bzw. erreichten Wirkungen auch die erbrachten Leistungen und deren Qualität.

Mithilfe der PHINEO-Wirkungsanalyse etwa stellen wir fest, wie hoch das Wirkungspotenzial eines Projekts ist und wie gut aufgestellt die Organisation, die dahinter steht. Unsere Analyse-Methode basiert auf einem erprobten wissenschaftlichen Verfahren, das wir über die Jahre verfeinert und an die Strukturen des gemeinnützigen Sektors in Deutschland angepasst haben.

Wie sich die Wirkungsanalyse im Projektalltag konkret umsetzen lässt, beschreiben wir ausführlich in unserem digitalen Projektmanagement-Tool für Non-Profits, www.wirkung-lernen.de.

Vertiefende interaktive Kurse, verschiedene Web-Seminare, Artikel, Checklisten, Videos sowie Möglichkeiten für einen Peer-to-peer-Austausch findest du auch auf dem SKala-Campus, der neuen Lern- & Austauschplattform für sozial Engagierte.

Keine Angst vor der Wirkungsanalyse!

Wirkungspotenzial und Wirkungsanalyse klingen bedrohlich – nach Zahlenkolonnen, großer Wissenschaft und unendlich viel Aufwand. Aber: Wirkungsanalyse ist nur so aufwendig, wie man selbst es wünscht oder die Ressourcen es zulassen.

Entscheidender als ein Budget fürs Monitoring ist die Einsicht, dass Informationen und Daten, die während des Projektverlaufs erhoben werden, extrem hilfreich sind, um aus ihnen zu lernen und Anpassungen vorzunehmen.

Wirkungsanalyse konkret

Im Projektalltag bedeutet Wirkungsanalyse, dass regelmäßig Daten erhoben und ausgewertet werden, und dass diese Erkenntnisse in die weitere Projektumsetzung einfließen.

Die Wirkungsanalyse ermöglicht dadurch eine aktive Projektsteuerung. Mit ihrer Hilfe kann man rasch auf Abweichungen reagieren und gleichzeitig exaktere Aussagen darüber treffen, welche Änderungen im Projekt welche Konsequenzen nach sich ziehen.

So gesehen, ist es ratsam, die Wirkungsanalyse bereits in der Planungsphase mitzudenken. Aber auch in bereits laufenden Projekten ist eine Wirkungsanalyse jederzeit möglich. Lieber spät als nie …!

Die zentrale Frage lautet: Was genau soll mithilfe der Wirkungsanalyse herausgefunden werden?

Die Antwort hierauf definiert, welcher Aufwand dafür nötig ist. Je konkreter bekannt ist, welche Arten von Informationen benötigt werden, desto genauer lassen diese sich auch erheben:

  • Welche Informationen sind nötig, um Prozesse beurteilen und aus ihnen lernen zu können?
  • Welche, um Verbesserungen anzustoßen oder Wirkungen festzustellen?
  • Und auch: Welche Informationen lassen Rückschlüsse darauf zu, dass Zielgruppen nicht erreicht und Ziele verfehlt wurden?
  • Welche Informationen belegen, dass unerwartete (positive wie negative) Wirkungen auftraten?

Anhaltspunkte hierfür bieten sogenannte Indikatoren (= Hinweise). Anhand von Indikatoren lässt sich feststellen, ob ein bestimmter Sachverhalt oder ein bestimmtes Ereignis eingetreten ist. Indikatoren geben Aufschluss darüber, welche Fortschritte ein Projekt macht und ob es wie geplant verläuft.

Wirkungsindikatoren

Es gibt zwei Arten von Indikatoren: direkte und indirekte Indikatoren.

Direkte Indikatoren lassen sich vor allem für zählbare Sachverhalte wie Outputs und leicht messbare Wirkungen formulieren. Direkte Indikatoren ergeben sich oft unmittelbar aus den Wirkungszielen.

Angenommen, ein Wirkungsziel besteht darin, dass Jugendliche infolge einer Schulung einen Ausbildungsplatz bekommen. Woran ließe sich erkennen, ob das Projekt diese Wirkung erreicht? So trivial es auch scheint, aber der richtige Indikator wäre tatsächlich die "Anzahl der Jugendlichen, die nach Teilnahme an Ihrem Projekt einen Ausbildungsplatz bekommen haben".

Doch nicht immer liegen Indikatoren unmittelbar auf der Hand, sondern ergeben sich erst nach längerem Herumdenken (was dazu führt, dass viele Sachverhalte auf den ersten Blick nicht überprüfbar erscheinen). In diesen Fällen kommen indirekte Indikatoren zum Einsatz.

Indirekte Indikatoren weisen nur mittelbar auf den zu beobachtenden Sachverhalt hin. Sie werden genutzt, wenn es nicht oder nur mit unvertretbar hohem Aufwand möglich ist, Daten zum Sachverhalt zu erheben.

Wie sich Indiakatoren erheben lassen und welche (kostengünstigen) Methoden dafür zur Verfügung stehen, beschreiben wir detailliert auf www.wirkung-lernen.de, insbesondere auf Passende Datenerhebungsmethoden für den Hausgebrauch ...

Fazit

Wirkung erheben zu wollen, sie messbar zu machen, heißt, einen Prozess zu starten, der weit über bloßes Engagement hinausreicht. Wirkungsanalyse bedeutet, das eigene Wirken und das gesamte Projekt auf die Bedarfe der Zielgruppen zuzuschneiden. Aber die Mühe lohnt sich, denn die Ergebnisse sind nicht nur motivierend, sondern tragen zu mehr Qualität bei.

Voraussetzung ist allerdings, dass Wirkungsorientierung nicht von oben verordnet wird – sie soll Lust sein, nicht Last. Deswegen kommt es darauf an, alle Projektbeteiligten von Anfang an konsequent mit einzubinden.